Auslandspraktikum
Bromberg/Polen

Mein Auslandspraktikum führte mich nach Bromberg, eine kleine Stadt in Polen. Das Krankenhaus dort, in dem ich dann vier Wochen gearbeitet habe, ist das Kinderkrankenhaus „Wojewodzki Szpital Dzieciecy IM J. Brudzinskiego“. Es besteht seit 1880, 2014 wurde die Klinik vollständig modernisiert und umgebaut. Beinahe jede Fachrichtung ist im Haus vertreten – entweder in Form einer stationären Versorgung oder einer Arztpraxis und Beratungsstelle mit Sprechzeiten.

An meinem ersten Arbeitstag auf der Kinderneurologischen Station war ich sehr nervös, da ich mir viele Gedanken darüber gemacht habe, wie mich das Team aufnimmt. Zum Glück wurde ich sehr freundlich und voller Neugier empfangen. Jeder war bereit, mir einen möglichst tiefen Einblick zu gewährleisten. Mein Dienst fing in der Regel um 7 Uhr an und endete oft nach 16 Uhr.

Morgens gab es nicht die mir gewohnte „Dienstübergabe“: Es wurden lediglich die wichtigsten Auffälligkeiten besprochen und der Untersuchungsplan für den Tag an einer Tafel verschriftlicht. Was erst einmal nicht allzu wichtig erscheint, erwies sich im Laufe des Tages als fast die wichtigste Informationsquelle auf dieser Station – denn es gab keine Übergabezettel. Für die Kranken­schwestern vor Ort stellte es kein Problem dar, sie kannten alle Patienten inklusive der Diagnose. Doch für mich war es eine große Herausforderung, da auch an den Patientenbetten keine Namensschilder waren, wegen des Datenschutzes. Nach einigen Tagen auf der Station konnte ich mein Problem doch lösen: Unsere Stationsärzte hatten eine Art Patientenplan, den sie mir dann gern täglich kopierten.

Einen weiteren Unterschied stellte das Pflegesystem dar. Im Gegensatz zu unseren DRK Kliniken Berlin, in denen wir mit dem System der Bereichspflege arbeiten, konnte ich dort eine tätigkeitsorientierte Pflege beobachten. Während eine Krankenschwester die Tabletten austeilte, war eine zweite dabei, die Vitalzeichen zu messen und zwei weitere waren mit den Blutentnahmen beschäftigt – die dort auch zum Aufgabenfeld einer Krankenschwester gehören. Da Aufgaben wie Abwürfe leeren und Betten machen entfallen – das ist die Aufgabe von Reinigungs- und Servicekräften – blieb am Morgen mehr Zeit für ein genaueres Abfragen des Befindens. Nach der Morgenrunde war Gelegenheit für ein entspanntes Frühstück: Die Patientenklingel läutete lediglich zwei Mal in meiner Zeit auf dieser Station. Nach dem Frühstück wurde die Dokumentation erledigt. Der einzige hier erwähnenswerte Unterschied war für mich das Unterschreiben und Kürzeln. In Polen erhält jede Pflegefachkraft nach abgeschlossenem Bachelor oder Master Studiengang einen personalisierten Stempel, mit dem dann jedes Dokument unterzeichnet wird. Da ich bei der Dokumentation nicht helfen konnte, begleitete ich in dieser Zeit verschiedene Untersuchungen: einen Vormittag in das EEG, den nächsten in das MRT und den darauffolgenden in ein psychiatrisches Konsil.

Das Schöne an dem Einsatz war, dass ich in der zweiten Woche einige Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung begleiten durfte. Sie waren „meine“ Bezugspflege-Patienten, die ich mit einer anderen Krankenschwester gemeinsam, abseits des Alltags, betreute. Dies war möglich, da auf der Station täglich mindestens vier Vollkräfte und die Stationsleitung anwesend waren. Das gab mir zum Beispiel den Freiraum, Untersuchungen mit den Patienten wahrzunehmen und auch in den OP zu gehen. Im OP-Saal waren die Neurochirurgen und OTA’s sehr bemüht, mir alles zu zeigen und zu erklären, so dass es zu einer aufregenden, regelmäßigen und überaus lehrreichen Abwechslung wurde, den OP zu besuchen.

Es war eine tolle Zeit, in der ich viele Erfahrungen sammeln konnte. Ich danke dem biz sowie der DRK-Schwesternschaft Berlin für diese Möglichkeit.

Jagoda Müller