Auslandspraktikum Balapitiya/Sri Lanka - biz BildungszentrumAuslandspraktikum Balapitiya/Sri Lanka - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Balapitiya/Sri Lanka

Auf Sri Lanka angekommen, führte unser Weg in das zwei Stunden von Colombo entfernte Dorf, Balapitiya. Dort lebten wir – gemeinsam mit weiteren Praktikanten aus aller Welt – in einer liebevollen Gastfamilie, zu unserer Freude ganz nah am Meer.

Über einen Betreuer von Projects-Abroad haben wir dann einen guten ersten Einblick über Umgebung, Kultur und das Krankenhaus erhalten.

In dem gleichnamigen Dorf befindet sich auch das staatlich finanzierte Krankenhaus Balapitiya Base Hospital, etwa zwanzig Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Das Krankenhaus ist vergleichbar klein, bietet jedoch mit rund vierhundert Betten viel Platz für Patienten. Beschäftigt sind dort etwa zweihundert Krankenschwestern und 120 Ärzte.

Das Balapitiya Base Hospital bietet eine grundlegende Versorgung mit geringfügigen Ressourcen, die meist schon mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte alt sind. Erschreckend waren die Zustände einzelner Zimmer: So waren viele Räume mit Schimmel befallen, Putz fehlte und alles wirkte eher unrein.

Patienten lagen gesammelt, zwar in einzelnen Betten und abgeschottet durch einen nicht genutzten Vorhang, in einem Raum. Die Sanitäranlagen wurden von Patienten gemeinsam genutzt. Auf das Geschlecht wurde stets geachtet und so gab es getrennte Stationen für Mann und Frau, jedoch war das Pflegepersonal überwiegend weiblich.

Unsere Krankenhauskleidung wurde von den Schwestern sehr bestaunt, da sie als sehr bequem angesehen wurde. Die Arbeitskleidung des einheimischen Pflegepersonals bestand aus einer Haube, einem Latzkleid in Kombination mit einem kurzärmeligen Hemd, welches verziert war mit einer Brosche am Kragen. Kniestrümpfe und eine Art Ballerinas, als Schuhe, vollendeten die Dienstkleidung. Die Ärzte hingegen, sahen in ihrer privaten Kleidung eher salopp aus.

Während des vierwöchigen Austauschprogramms verbrachten wir zwei Wochen auf der Gynäkologie/Wöchnerin als auch im Kreißsaal sowie weitere zwei Wochen auf der Neonatologie.
Die Kommunikation während des Zeitraumes war geprägt von Gestik und Mimik und vereinzelten Gesprächen mit englischsprachigen Ärzten. In den ersten zwei Wochen durften wir die Geburt vieler Säuglinge miterleben. Der Kreißsaal war ein relativ großer Raum mit sechs nebeneinander stehenden Betten, die ebenfalls mit einem Vorhang ausgestattet waren und nur in den seltensten Fällen verwendet wurden. Die Geburten verliefen ziemlich unspektakulär und erstaunlich schnell. Die Hebammen und Schwestern beobachteten die in den Wehen liegenden Frauen, sitzend vom Stützpunkt aus.

Die Erstversorgung erfolgte durch das Pflegepersonal, für die restliche Zeit waren Angehörige verantwortlich, ebenso für die Mahlzeiten. Zu unserer Freude ist dieses Krankenhaus ein von UNICEF zertifiziertes stillfreundliches Krankenhaus, so wurde ausschließlich Muttermilch verwendet.

Die Visiten verliefen unfassbar schnell, sodass wir die meisten zu unserem Bedauern verpasst haben. Die Kommunikation unter den Ärzten erfolgte in englischer Sprache. Jedoch war es eine Rarität ein Gespräch mit einen der Ärzte führen zu dürfen – „zu dürfen“, da das Balapitya Base Hospital stark hierarchisch geprägt ist und Ärzte einen sehr hohen Rang genießen. Die hygienischen Umstände waren erschreckend und mangelhaft, selten wurden Handschuhe verwendet, Desinfektionsmittel waren ausschließlich für Ärzte gedacht und vieles wurde mehrmals verwendet.

Die zweite Woche verbrachten wir auf der Neonatologie: Erstmals konnten wir Ähnlichkeiten zum deutschen Standard erkennen. Vor Eintritt mussten die Hände gründlich gewaschen werden, wir bekamen einen „sterilen“ Kittel und Schuhe.

Die Station war organisierter, strukturierter und besser ausgestattet. Es gab erstmals hochwertiges Equipment z.B. Inkubatoren, Infusomaten, Monitore etc. Handschuhe, Mundschutz und eine ausführliche Händedesinfektion kamen zum Einsatz. Die meisten kleinen Patienten, waren Neugeborene mit Sepsis, Hyperbilirubinämie, Trinkschwäche und Meningitis. Aufgrund der mangelnden Ausstattung konnten keine Isolationsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Dokumentation war sehr ausführlich, erfolgte schriftlich in Büchern, die nach Aufgabengebieten unterteilt waren. Die Visiten hier verliefen sehr detailliert und erstmals hatten wir das Glück uns mit Ärzten unterhalten zu können.

Das Projects-Abroad ermöglichte einmal im Monat ein Medicalcamp. So machte sich ein Team aus Ärzten, Freiwilligen, Pharmazeuten und Betreuern an diesem Tag gemeinsam auf den Weg in ein abgelegenes Dorf. Wir fanden Platz in einer Schule, wo Kinder und Erwachsene die Möglichkeit bekamen ein medizinisches Check-up zu erhalten. Wir kontrollierten Vitalzeichen, Blutzucker und Gewicht. Nach einer kurzen Vorstellung bei den Ärzten erhielten die Patienten ihre Medikamente.
Zu unserem Erschrecken bekamen viele der Patienten Antibiotika in Kombination mit Cortison, ohne eine garantierte Indikation bzw. Diagnose.

Für uns war die Zeit in Sri Lanka sehr eindrucksvoll und lehrreich. Wir verbrachten einen wundervollen Aufenthalt und wurden herzlich von unserer Gastfamilie aufgenommen und wie eigene Kinder umsorgt. Wir konnten viele neue Eindrücke erleben und sahen erstmals in Sri Lanka eine Geburt. Menschlich und kulturell hat uns dieser Einsatz positiv geprägt. Nachträglich ist zu sagen, dass wir uns glücklich schätzen können in einem Gesundheitssystem aufzuwachsen, das uns eine einwandfreie medizinische Versorgung bietet.

Ein Bericht von
Begüm Kilinc und Leslie-Celine Brüning
Auszubildende der Gesundheits und Kinderkrankenpflege,
„Kurs Oktober 2015-2018“