AuslandspraktikumAuckland/Neuseeland - biz BildungszentrumAuslandspraktikumAuckland/Neuseeland - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Auckland/Neuseeland

Als ich mich entschied, für mein Auslandspraktikum nach Neuseeland zu gehen, wusste ich zwei Dinge über dieses Land: Geografisch war es das am weitesten entfernte Land, in das ich reisen konnte – weiter weg war dann schon wieder näher dran. Aber von den Standards, der Infrastruktur und der Gesellschaft war es gar nicht so weit weg.

Am 15. September 2017 stieg ich dann endlich in den Flieger, um mich mit mehreren Zwischenstopps nach Auckland, der größten Stadt des Landes, fliegen zu lassen. Da lag natürlich schon viel E-Mail-Kontakt mit „meinem“ dortigen Krankenhaus hinter mir, bei dem ich erste Eindrücke der Hilfsbereitschaft, aber auch der lässigen Art der Kiwis erhalten hatte. Nach der Ankunft startete ich mit drei Wochen Urlaub, die ich nutzte, um Land und Leute besser kennenzulernen. Am Freitag vor meinem Einsatz kehrte ich dann wieder nach Auckland zurück und lernte zum ersten Mal das Ehepaar kennen, bei dem ich die nächsten vier Wochen Quartier beziehen sollte: Die beiden waren, so wie bis jetzt alle Neuseeländer, die mir begegnet sind, aufrichtig freundlich und „laid back“ und sie haben mich sehr herzlich bei sich Zuhause aufgenommen.

Nachdem sie mir das Wochenende über die Stadt gezeigt hatten, konnte mein Praktikum am Montag, 9. Oktober, richtig losgehen. Arbeiten sollte ich in der Kinderklinik „Kidz First“, die direkt an das Middlemore Hospital im südlichen Auckland angeschlossen war. Die Kinderklinik besteht aus zwei pädiatrischen Stationen, der Neonatologie, einer Wöchnerinnenstation wie auch der großen „Kinder-Erste-Hilfe“.

Bevor ich erfuhr, wo und mit wem ich arbeiten würde, hatte ich allerdings die Möglichkeit, an einer traditionellen Begrüßungsfeier der Maori – den Ureinwohnern Neuseelands – für neue Mitarbeiter teilzunehmen: Der sogenannte „Powhiri“ fand in einem großen Veranstaltungsraum statt und wurde von mehreren Maori-Mitarbeitern geführt. Wir wurden auf der zweiten Nationalsprache (Maori) begrüßt und es folgten Gebete, Gesänge und schließlich der bekannte Hongi-Nasenkuss als Zeichen dafür, dass wir jetzt keine Gäste mehr, sondern Teil des Teams, der Familie waren. In einigen Vorträgen wurden wir dann darauf hingewiesen, dass Neuseeland – und Auckland im Besonderen – eine sehr multikulturelle Bevölkerung hat: Diese schätzt und tut ihr Bestes, alle Kulturen gleichermaßen zu respektieren und zu schützen.

Danach wurde ich auf der chirurgischen Pädiatrie von Jen, einer Krankenschwester und Beauftragten für die Studenten, empfangen. Sie teilte mir mit, dass ich für zwei Wochen auf der Allgemeinpädiatrie und danach zwei Wochen auf der Chirurgie mit Verbrennungszentrum arbeiten würde. Anschließend bekam ich einen Rundgang über die beiden Stationen und durch das restliche Haus. Die ersten Tage auf Station arbeitete ich an der Seite von verschiedenen Schwestern und bekam einen ersten Eindruck für die Unterschiede, die es zur Arbeit bei uns in Deutschland gibt. Besonders die andere Organisationsform der Pflege, das „Team Nursing“, war gewöhnungsbedürftig: Dabei werden die Patienten nicht auf die Schwestern im Dienst aufgeteilt, so wie ich es von den meisten deutschen Stationen kenne, sondern es wird ein großer Aufgabenplan erstellt, auf dem Termine, Medikamente und Anordnungen der Patienten stehen, an dem dann alle gemeinsam arbeiten.

Schnell gewöhnte ich mich in den Alltag ein, bekam mehr Verantwortung übertragen und konnte viele Aufgaben selbstständig übernehmen. Es herrschte eine angenehm entspannte und offene Stimmung im multiprofessionellen Team; die Schwestern wurden zusätzlich von Spieltherapeuten und Stationssekretärinnen unterstützt. Alle waren sehr bemüht, mich im Team aufzunehmen und mich viel in meinem Einsatz sehen und tun zu lassen: Ich durfte in den OP, in eine Grundschule zum Impfprogramm und zu den „Public Health Nurses“, die Patienten Zuhause besuchten. Sowohl für mich, als auch für die neuseeländischen Kollegen, war es sehr spannend, sich über Gepflogenheiten, Standards und geltendes Fachwissen auszutauschen. In den vier Wochen, in denen ich dort war, habe ich fachlich, aber auch menschlich eine Menge lernen können.

Dieser Einsatz hat mich für die letzte Strecke der Ausbildung extrem motiviert und mir noch einmal gezeigt, dass Pflege viel mehr ist, als das, wonach es sich im hektischen Klinikalltag hier manchmal anfühlt. Die Arbeitsmoral, das Teamwork wie auch ein paar Kniffe und Tipps habe ich aus Neuseeland mitgenommen und ich freue mich darauf, sie in meiner kommenden Arbeit einsetzen zu können.

Ich bedanke mich sehr bei der DRK-Schwesternschaft Berlin, dass ich diesen lehrreichen „Ausflug“ unternehmen durfte.

Ein Bericht von Janica Lange
(Kurs Mrc 15/18)