Auslandspraktikum Thessaloniki/Griechenland - biz BildungszentrumAuslandspraktikum Thessaloniki/Griechenland - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Thessaloniki/Griechenland

Mein Name ist Karlotta Liebelt, ich absolviere momentan eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin bei der DRK-Schwesternschaft Berlin. Im Sommer 2016 wurde es mir ermöglicht, mich für ein vierwöchiges Praktikum im Ausland zu bewerben. Ich bekam rasch die Zusage, dass ich einen Praktikumsplatz in dem staatlichen Krankenhaus Hippokrates-Krankenhaus in Thessaloniki, Griechenland, bekommen könne. In dieser Stadt habe ich bereits in meiner Jugend drei Jahre gewohnt, was mir die Wohnungssuche und andere organisatorische Dinge sehr erleichterte.
Am 6. Juli begann mein erster Praktikumstag auf der Allgemeinchirurgischen Station. Der Fachbereich war im Endeffekt jedoch eher die Auffangstation für alle chirurgische Patienten, wodurch ich einen weitgefassten Einblick in die Versorgung von Patienten bekam.

Der Arbeitstag begann für mich um 8.00 Uhr und endete um 16.00 – dies war die Zeit des Frühdienstes. Die typische Besetzung waren die Stationsleitung und zwei examinierte Kranken­schwestern, außerdem waren in der Zeit zwei Schüler auf der Station. In Griechenland ist die Ausbildung zum Krankenpfleger ein Fachhochschul-Studium, welches vier Jahre dauert: Es war interessant zu erfahren, dass es viele Unterschiede zum deutschen Ausbildungssystem gibt. Beispielsweise ist der erste Einsatz auf einer Station erst nach zwei Jahren Theorie, und generell gibt es weniger Praxiseinsätze als in Deutschland. Außerdem ist auch der Personalmangel oft zu sehen gewesen: Dass Pflegekräfte einen Frühdienst und einen Nachtdienst am selben Tag machten, das war hier Normalität.

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Einen typischen Arbeitstag kann ich nur schwer beschreiben, da es oft eher ein Reagieren auf die tagesabhängige Situation als eine Routinearbeit war. Durch die Einsparungen wegen der Wirt­schaftskrise wechseln sich die Notaufnahmen der städtischen Krankenhäuser in Thessaloniki ab, so dass die Rettungsstelle im Hippokrates-Krankenhaus alle vier Tage für alle Akutpatienten aus Thessaloniki zuständig war. An diesen Tagen gab es immer sehr viel zu tun, da meine Station viele chirurgische Neuaufnahmen hatte; von Unfallopfern über Blinddarmpatienten bis hin zu neurochirurgischen Patienten mit gebrochenen Wirbeln.

So waren die 35 Betten der Station schnell belegt und man wurde als vier- bis fünfköpfiges Team sehr gefordert.

Da in Griechenland die Grundpflege, wie zum Beispiel die Körperpflege oder die Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, von den Angehörigen übernommen wird, konzentrierte sich der größte Teil meiner Arbeit auf die Behandlungspflege. Außerdem gab es täglich eine Chefarzt-Visite, die in der Regel zwei Stunden in Anspruch nahm, da man den Ärzten bei allen Verbandswechseln assistierte. In vielen Fällen war ich von den Behandlungsmethoden sehr überrascht, da sie in Deutschland anders ausgeführt werden. Außerdem sah man die finanzielle Problematik auch im Fehlen wichtiger Materialien, Medikamente oder medizinischer Geräte, die zum Teil sehr alt und oft kaputt waren. So lernte ich, mit weniger Materialien umzugehen und auch zu improvisieren.

Das Team, von den Schwestern bis zu den Ärzten, war von Anfang an überaus aufgeschlossen und freundlich, und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Durch die herzliche, griechische Art habe ich mich jeden Tag auf meine Kollegen gefreut und ich werde bestimmt zu einigen Kontakt halten.

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Insgesamt war mein Auslandspraktikum eine unglaublich tolle Erfahrung und ich habe vieles dazugelernt. Auch wenn es viele Probleme im deutschen Gesundheitswesen gibt, kann ich gewisse Standards und Qualitäten in der Medizin nun viel mehr schätzen. Ich würde jedem empfehlen, in seiner Ausbildung einen Monat im Ausland zu arbeiten – und Thessaloniki ist in der Hinsicht eine Überlegung wert.

Erfahrungsbericht von Karlotta Liebelt (Kurs von Christiane Golka GuK14/17)