Auslandspraktikum Tauranga/Neuseeland - biz BildungszentrumAuslandspraktikum Tauranga/Neuseeland - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Tauranga/Neuseeland

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Am 3. März 2015 war es soweit: Ich stieg in den Flieger und flog zu meinem Auslandspraktikum nach Neuseeland – von Berlin nach Tauranga/Bay of Plenty: 17.892 km, 36 Stunden Flugzeit, 12 Stunden Zeitunterschied. Nach dem Hinflug hab ich mir für den Rückflug gewünscht, „gebeamt“ werden zu können…

Empfangen wurde ich in Tauranga von meiner Schwester, die schon sehnsüchtig auf mich wartete. Drei Jahre hatte ich sie nicht gesehen, zum ersten Mal überhaupt würde ich sie jetzt besuchen. Meine ersten Eindrücke vom Land waren die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Neuseeländer und das Fehlen von Hektik und Stress; ein wahrer Kulturschock für einen Berliner – was ich doch dann im Laufe meines Aufenthaltes sehr zu schätzen gelernt habe. Nach drei Tagen Verschnaufpause sollte ich endlich meinen Arbeitsplatz für die nächsten vier Wochen kennen lernen.

Fraser Manor Rest Home ein kleines Altersheim mit rund 35 Bewohnern und einem Team von etwa zwanzig Mitarbeitern. Bei meinem ersten Rundgang bekam ich eine Führung durch das Haus: Es war alles zu ebener Erde, das Haus nicht sehr modern, trotzdem sehr nett mit englischem Charme. Draußen ein schöner Garten mit vielen Sitzmöglichkeiten, eine große Lounge mit zwanzig riesengroßen, gemütlich aussehenden Ohrensesseln, ein großer Speiseraum wie auch ein Restaurant und für Jeden ein kleines Zimmer. Eine sehr entspannte Atmosphäre, keinerlei Hektik oder Stress; Bewohner und Mitarbeiter begrüßten mich freundlich. Manche hatten sogar extra etwas in Deutsch einstudiert. Danach folgte ein Stapel an Belehrungen und Schulungen wie hier bei uns in Deutschland auch. Die Ähnlichkeit nahm mir die Panik und Angst vor der Arbeit in einem fremden Land, auch die Dokumentation und die Assessmentbögen waren nahezu identisch. Ich war erstaunt, aber freute mich darüber – weil mir somit alles leichter fallen sollte.

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An meinen ersten zwei Tagen begleitete ich Schwester Elsa bei Ihrer Arbeit. Ich sollte zuschauen, wie der Ablauf war und half dabei bei kleinen Handreichungen mit. Schnell bekam ich immer mehr Aufgaben und wurde komplett integriert, arbeitete eigenverantwortlich, hatte jederzeit Unterstützung wenn nötig und nie das Gefühl, ein Außenseiter zu sein. Besonders beeindruckend fand ich den gegenseitigen Austausch von Fachwissen mit dem Personal. Ich war erstaunt wie man mit gutem Teamwork seine Arbeit schafft: Dort, wo man sonst nur ins Schwitzen gerät. Es gab einen geregelten Ablauf und dennoch war alles individuell auf die Bewohner abgestimmt. Es hatte für mich nicht diesen „Altersheimcharakter” wie in Deutschland. Eher, als ob man in einem Hotel wäre.

Es wurde viel Wert auf die persönlichen Wünsche der Bewohner gelegt und diese weitestgehend umgesetzt. Jeden Tag gab es Beschäftigung, Besuchsdienste kamen z.B. von der Kirche oder von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Es kamen regelmäßig Musikbands; es wurde getanzt, gesungen, musiziert, Picknicke am Meer gemacht. Es gab Patenschaften, die einzelne Ausflüge übernahmen. Wer Geburtstag hatte, bekam an diesem Tag eine Torte und ein Ständchen gesungen, bei dem anschließend mit Wein und Bier angestoßen wurde. Generell wurde alles selbst gekocht und frisch zubereitet. Niemand der Bewohner war isoliert. Jeder kümmerte sich um den anderen, erkundigte sich persönlich, wenn es ihm schlecht ging. Auch einen Todesfall erlebte ich mit und fand es sehr angenehm, wie mit diesem schwierigen Thema dort umgegangen wurde. Mir fiel auf, dass sich die Menschen dort besser darauf einlassen: Sie können gepflegt zu werden und dies nicht als Schande empfinden.

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Ich bin von diesem Einsatz sehr begeistert denn die Bewohner hatten das Durchschnittsalter wie hier zu Lande, mit den gleichen Krankheiten und Problemen des Alters. Es hat mir gezeigt, was ich für einen tollen Beruf lerne und wie viele Möglichkeiten ich habe, ihn begeistert umzusetzen. Außerdem habe ich ein wunderbares Land kennengelernt und meine Sprachkenntnisse extrem erweitert. Ich bedanke mich herzlich bei der DRK-Schwesternschaft Berlin für die Möglichkeit des Einsatzes und bei dem „Fraser Manor Rest Home“-Team für diese schöne Zeit.

Erfahrungsbericht von Marie Biering, Kurs „April 2013/2016 DW“