Auslandspraktikum Nevsehir/Türkei - biz BildungszentrumAuslandspraktikum Nevsehir/Türkei - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Nevsehir/Türkei

Im Rahmen unserer Ausbildung bekamen wir die Möglichkeit, vier Wochen im Ausland einen Einsatz zu absolvieren. Dies fand ich ein sehr tolles Angebot – ich wollte diese Möglichkeit nutzen, ein Praktikum in der Türkei zu machen. Ich habe die Zusage bekommen für ein Praktikum im staatlichen Krankenhaus von Nevsehir: Aus dieser Stadt stammen meine Eltern ursprünglich und ich habe dort viele Verwandte, die mir bei der Wohnungssuche halfen. Mein Praktikum dauerte dann vom 17. Oktober bis zum 11. November 2016.

In dieser Zeit war ich zwei Wochen auf einer internistischen Station, eine Woche auf der Allgemeinchirurgie, drei Tage auf der Kinderstation wie auch zwei Tage auf einer Orthopädie. Meine Arbeitszeiten waren Montag bis Freitag, von 8 bis 16 Uhr.

In der Türkei ist die Gesundheits- und Krankenpflege keine Ausbildung, sondern ein Fachhochschul-Studium, welches vier Jahre dauert. Das Pflegesystem in der Türkei unterscheidet sich auch wesentlich vom deutschen: Die Pflege dort kümmert sich fast nur um die Behandlungspflege, da die Grundpflege nicht zu den Aufgabenbereichen gehört – jeder Patient hat Angehörige, die sich um die Grundpflege kümmern.

Wenn es jedoch Patienten geben sollte, die keine Angehörigen haben, bekommen sie Betreuer. Wenn es allerdings auch keinen Betreuer gibt, sind es die Gesundheits- und Krankenpfleger dort, die behilflich sind – dies ist aber nur ganz selten der Fall. Auf allen Stationen, bei denen ich im Krankenhaus war, waren alle Pfleger für alle Patienten zuständig: Es gab demnach keine Bereichspflege. Der Personalschlüssel war super, es gab im gesamten Krankenhaus keinen Mangel an Pflegekräften. Der Arbeitsstresslevel war dementsprechend auch gering und es war insgesamt ein sehr angenehmes Arbeiten. Jeden Tag gab es von 11.30 bis 13.30 Uhr eine Mittagspause, bei der man in der Mensa im Krankenhaus als Personal kostenlos Mittagessen bekommen hat. In diesen zwei Stunden hat sich das Team aufgeteilt. Die Hälfte ist in der ersten Stunde zur Mittagspause gegangen und die andere Hälfte danach.

Ein normaler Arbeitstag sah folgendermaßen aus: Morgens von 8 bis etwa 8.45 Uhr gab es eine Übergabe vom Nacht- zum Frühdienst. Danach wurden die Vitalzeichen (Blutdruck, Puls, Temperatur) aller Patienten gemessen. Zeitgleich wurden bei allen Patienten die Patientenarmbänder nach Name, Nachname, Geburtsdatum korrigiert, um Fehler zu vermeiden und eine richtige Patientenidentifikation zu gewährleisten. Bei Diabetikern wurde der Blutzucker vor dem Frühstück gemessen. Gegen 10 Uhr wurden alle intravenösen und oralen Medikamente vorbereitet und danach alle nacheinander verabreicht. Zwischendurch mussten viele Patienten zu bestimmten Untersuchungen oder zum Beispiel zur Physiotherapie gebracht werden. Auf der Chirurgie wurden viele Patienten zur OP gebracht und wieder abgeholt. Dann, gegen 12 Uhr, wurden nochmals Blutzucker und Vitalzeichen gemessen. Anschließend gab es nochmal gegen 14 Uhr eine Runde, in der intravenöse und orale Medikamente vorbereitet und verabreicht wurden. Arztvisiten gab es täglich von 8 bis 9 Uhr und von 15 bis 16 Uhr. Intravenöse Zugänge waren ein wichtiges Thema: Zugänge wurden alle drei Tage neu gelegt, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Ein Sturzrisiko des Patienten wurde mit einem Kleeblatt am Bett markiert, so dass jeder wusste, welcher Patient sturzgefährdet ist und welcher nicht.

Alle Teams waren super nett und sehr herzlich, haben mich toll aufgenommen. Es wurden auch viele Fragen an mich gestellt, welches das Gesundheitssystem Deutschlands betrifft. Mir hat der Einsatz in Nevsehir große Freude bereitet und ich bin jeden Tag sehr gern zur Arbeit gefahren. Ich würde es jedem empfehlen, der solch eine Möglichkeit für einen Auslandseinsatz bekommt, diese zu nutzen und lehrreiche Erfahrungen zu sammeln.

Ein Bericht von Özge Güzelsöz (Kurs CG 14/17)