Auslandspraktikum Kapstadt/Südafrika - biz BildungszentrumAuslandspraktikum Kapstadt/Südafrika - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Kapstadt/Südafrika

Im Frühjahr 2016 wurde es mir ermöglicht, ein Auslandspraktikum in Kapstadt, Südafrika, zu absolvieren. Schon im Herbst hatte ich begonnen, mich darauf vorzubereiten und nahm so Kontakt auf zu der Organisation, die mir bei Praktikumsplatzsuche und Unterbringung helfen sollte.

Ich war sehr aufgeregt, als nacheinander alle wichtigen Dokumente eingingen, ich zuerst meine Flugtickets erhielt und schließlich die Informationen zur Unterbringung bei einer Gastfamilie.

Das Gesundheitssystem Südafrikas war am Anfang für mich sehr befremdlich. Ich wurde in einer Tagesklinik eingesetzt – in einem Stadtteil mit hoher Kriminalitätsrate und in dem die Ärmsten der Armen wohnen. Die Klinik hieß Retreat Community Health Centre. In Südafrika gibt es keine Hausärzte, so dass diese Tagesklinik für die Patienten immer der erste Anlaufpunkt ist – egal, ob sie einen Schnupfen haben, ihre Medikamente abholen möchten oder an schwersten Verletzungen leiden. Deshalb ist dieses System auch mit extrem langen Wartezeiten verbunden: Manche Patienten mussten den ganzen Tag auf einen Arzt warten oder wurden am Ende des Tages dann doch weggeschickt.

Ich bekam dort viel zu sehen und durfte in jeden Bereich der Klinik hineinschnuppern. Es gab folgende Bereiche: Triage, Notaufnahme, Anmeldung für chronisch kranke Patienten, HIV-Klinik, Mutter-Kind-Klinik mit Geburtenraum, einen Verbandsraum („dressing room“) und einen Raum, wo Injektionen durchgeführt wurden („injection room“). Die meiste Zeit habe ich im „dressing room“ verbracht. Ich durfte schnell mithelfen bei den Verbänden; ich habe Materialien und Methoden kennengelernt, die wir hier in Deutschland nicht verwenden: Zum Beispiel werden viele Wunden mit Seifenwasser gereinigt.

Meine Aufgaben waren sehr vielfältig. Generell durfte ich unter Anleitung alles das machen, was ich mir zugetraut habe. Das Personal war überaus freundlich und herzlich zu mir, auch wenn es manchmal stressig wurde. Interessant war auch die allgemeine Stimmung in der Klinik: Das medizinische Personal wurde sehr wertgeschätzt, mit den Patienten ein sehr herzlicher Umgang gepflegt. Überall lief laute Musik, was für mich gewöhnungsbedürftig war. Trotzdem wurde sehr professionell gearbeitet, obwohl die hygienischen Bedingungen uns wahrscheinlich einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen würden. Erschreckend fand ich auch den Unterschied zwischen dem allgemeinen und privaten Gesundheitssystem: Die allgemeine – oder auch staatliche – Versorgung ist zwar kostenlos für alle, auch für Touristen, jedoch ist der Standardniveau der Versorgung überaus niedrig. Das private System hingegen, für das man natürlich bezahlen muss, ist unserem sehr ähnlich. Ich habe mir ein Privatkrankenhaus angesehen, das unserem Standard in nichts nah steht. Umso erstaunlicher fand ich es, dass das medizinische Personal in „Retreat“ so gut mit den wenigen Ressourcen zurecht kommt.

Die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin ist in Südafrika ein Hochschulstudium und dauert vier Jahre. Die Studierenden werden in verschiedenen Krankenhäusern und Kliniken eingesetzt und haben in „Retreat“ immer von 7 bis 19 Uhr gearbeitet, mit mehreren Pausen. Dafür bekommen sie manchmal eine kleine Vergütung, aber das ist keinesfalls Pflicht. Ausgelernte Krankenschwestern bekommen umgerechnet 900 Euro brutto, und das ist in Südafrika ein gutes Gehalt. Ich habe meistens von 8 bis 16 Uhr gearbeitet und hatte an den Wochenenden und Feiertagen frei, sodass viel Zeit blieb, Kapstadt und die Umgebung zu erkunden.

Der Auslandseinsatz war insgesamt eine sehr bereichernde und spannende Zeit. Ich habe gelernt, mit fast nichts zu arbeiten und auch einmal darüber hinweg zu sehen, wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Kapstadt und Umgebung sind wunderschön und ich freue mich schon, wenn ich nächstes Jahr wieder hinfliege. Ich bedanke mich herzlich bei der DRK-Schwesternschaft, dass ich die Chance dafür bekommen hatte. Ich würde jedem empfehlen, einen Auslandseinsatz zu machen und in ein Land zu fahren, das weit weg ist. Es lohnt sich!

Erfahrungsbericht von Marie Krzykalla