Auslandspraktikum Kalkutta/Indien - biz BildungszentrumAuslandspraktikum Kalkutta/Indien - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Kalkutta/Indien

indien2

Meinen Auslandseinsatz verbrachte ich in Indien, genauer gesagt in Westbengalen in der Kalkutta die Hauptstadt ist. Kalkutta ist die siebtgrößte Stadt in Indien. Die aktuelle Einwohnerzahl beläuft sich auf ca. 15 Millionen Menschen, wobei inoffizielle Schätzungen von der ca. 30 Millionen Menschen ausgehen. Ich erhielt die Chance im Zeitraum vom 15. März bis zum 10. April 2015 ein vierwöchiges Praktikum bei Calcutta Rescue zu absolvieren. Calcutta Rescue wurde 1979 vom dem britischen Arzt Doktor Jack Preger gegründet. Calcutta Rescue ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich ausschließlich von Spenden finanziert.

In den ersten Tagen bekam ich die Möglichkeit die verschiedenen Einrichtungen von Calcutta Rescue kennen zu lernen. Dazu zählten die Apotheke die Tala Parc Klinik (Medikamenten­ausgabe), die Chitpur Klinik (dort werden beispielsweise Verbandswechsel durchgeführt und orthopädische Schuhe hergestellt), die School Number 10, die Loretta School, sowie das Handicraft Projekt wo Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung Textilien zum Verkauf herstellen.

Des Weiteren erhielt ich einen Überblick über die einzelnen Bereiche der Tala Parc Klinik, Zum einen findet in der Tala Parc Klinik täglich die Sprachtherapie, Physiotherapie und die Ausgabe von Medikamenten statt, zum anderen befindet sich in den weiteren Räumen der Klinik das Kinderwunschzentrum und die School Number 10.

Darüber hinaus verfügt Calcutta Rescue über einen Transporter, welcher mit Medikamenten und Verbandsmaterial ausgestattet ist. Während meines Praktikums arbeiteten zehn weitere Volontäre für die Charity Organisation. Den größten Teil meines Praktikums arbeitete ich bei der Calcutta Rescue Street Medicine, welche in die verschiedenen Bezirke von Kalkutta fahren.

Die tägliche Arbeitszeit begann um neun Uhr. Treffpunkt war die Tala Parc Klinik. Von dort aus fuhr ich mit jeweils acht weiteren Mitarbeitern, einem Arzt, einem Fahrer und anderen Volontären in von der Organisation festgelegten Bezirke Kalkuttas. Nach ca. einer Stunde Fahrzeit erreichten wir die sogenannten „Slums“. Ca. zwei Drittel der Bevölkerung Kalkuttas leben in „Slums“. Am jeweiligen Zielort angekommen wurde innerhalb von ca. 20 Minuten der medizinisch-pflegerische Behandlungsbereich aufgebaut. Es wurden Bänke, Stühle sowie die Materialien für den Verbandswechsel für die zu behandelnden Patienten bereitgestellt. Der Zeitraum für die Behandlung begann gegen 10:30 Uhr und endete gegen 14:30 Uhr. Gearbeitet wurde von Montag bis Samstag. Zu Beginn wurde die Reihenfolge der Patienten festgelegt und die dazugehörigen Daten ins Buch eingetragen die da wären der Name, das Alter und das Geschlecht.

Anschließend wurden den Patienten Brot, Bananen und Wasser ausgehändigt. Der Aufgabenbereich der einzelnen Mitarbeiter sowie der des Arztes waren klar strukturiert. Der Arzt war für die Dokumentation und Verordnung der Medikamente zuständig. Zwei weitere Angestellte händigten Medikamente aus. Die restlichen Mitarbeiter waren für den Verbandswechsel zuständig, wo ich mich mit meinen Fähigkeiten natürlich unter Anleitung einbringen konnte.

Die Anzahl der Patienten sowie das Alter waren täglich verschieden. Prozentual gesehen kamen mehr Männer als Frauen. Alle Patienten wurden versorgt unabhängig davon ob beispielsweise Verbrennungen oder Schnittwunden frisch waren oder der tägliche Verbandswechsel älterer Wunden anstand. Die häufigsten Patienten waren Menschen die an Lepra erkrankt sind. Bei der Lepra (Aussatz) handelt es sich um eine chronische bakterielle Infektion der Haut und der peripheren Nerven ( → DAHW). Die Erkrankung hat zur Folge, dass der Tastsinn eingeschränkt ist und somit die Verletzungsgefahr sehr hoch ist.


indien3

Gegen 14:00 Uhr wurde der sogenannte Behandlungsbereich wieder abgebaut. Dazu zählt die Desinfektion der verwendeten Materialien wie Scheren, Pinzetten etc. welches in der Klinik nochmals sachgerecht sterilisiert wurde. Des Weiteren wurden die Stühle und Bänke desinfiziert und zurück in den Transporter gebracht. Anschließend fuhr ich mit der Street Medicin wieder zurück zur Tala Parc Klinik von wo aus ich meinen Feierabend antreten konnte.

Hinzufügen möchte ich gern noch dass der Verbandswechsel an fünf Tagen der Woche stattfand. Die anderen zwei Tage sind nur für die Ausgabe der Medikamente vorgesehen. An diesen Tagen hatte ich jedoch die Möglichkeit mehr über die Patienten zu erfahren und Gespräche zu führen. Dies erfolgte oft mit „Händen und Füßen“. Wie zu Beginn schon erwähnt findet in der Tala Parc Klinik täglich die Sprachtherapie und die Physiotherapie statt. Die Therapie begann täglich um 09:30 Uhr und endete um 14:30 Uhr. Die Anzahl der Patienten waren wie bei der Street Medicin täglich sehr verschieden. Dort bekam ich ebenfalls die Möglichkeit hospitieren zu dürfen. Vorwiegend waren dort die Patienten zwischen 3-20 Jahre alt. Die meisten der Patienten litten an Epilepsie. Zu den Aufgaben des Sprachtherapeuten gehörten das Anregen der Mundspeichel­drüsen, sowie die Tonusregulation im Mundbereich. Anschließend sollten die Patienten Farben und Gegenstände wie Regenschirm, Flugzeug oder Auto auf „Bengal“ ( Sprache die vorwiegend in Kalkutta, Westbengalen gesprochen wird ) benennen. Die Dauer der Behandlung betrug ca. 15-20 Minuten.

Während des Praktikums haben mich die einfachen Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals beeindruckt. Die Bedingungen auf der Straße einen Wundverbandswechsel zu tätigen erforderten ein hohes Maß an Flexibilität. Das Leben der Patienten war in der Regel sehr einfach und sie wohnten entweder auf der Straße oder in kleinen selbstgebauten Hütten. Es fällt mir schwer zu sagen was ich mehr oder weniger beeindruckend fand während meiner Zeit in Kalkutta. Das Leben dort ist mit Deutschland nicht vergleichbar. Es ist laut, der Verkehr ist nicht geregelt und die Menschen geben ihren Göttern viel Geld, obwohl sie kaum genug Geld für das eigene Leben haben. Auch die Rolle der Frau, die in Indien eine dem Mann untergeordnete Stelle hat war für mich sehr irritierend.

Dennoch kann ich sagen, dass es mich sehr beeindruckt hat wie diese Menschen dort leben und arbeiten. Mir ist bewusst geworden wie gut es mir in Deutschland geht. Vor allem hinsichtlich der gesundheitlichen Versorgung. Ich muss meinem Arzt kein Bargeld in die Hand drücken um behandelt zu werden. Abschließend möchte ich mich sehr bei der DRK-Schwesternschaft bedanken, dass sie es mir ermöglicht hat ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Ich wünsche allen Mitarbeitern von Calcutta Rescue und dem DRK Berlin alles Gute.

Ein Bericht von Michael Novák, Kurs “April 2013/2016 DW″