AuslandspraktikumBalapitiya/Sri Lanka - biz BildungszentrumAuslandspraktikumBalapitiya/Sri Lanka - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Balapitiya/Sri Lanka

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Ihm Rahmen der Ausbildung war es mir möglich, im Mai 2015 einen vierwöchigen Auslandseinsatz zu absolvieren. Nepal stand schon seit Monaten fest. Doch das schrecklich starke Erdbeben hatte das Land und seine Nachbarländer eine Woche vor meiner Abreise erschüttert. So musste ich kurzfristig nach Sri Lanka fliegen, was im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung war.

Dort angekommen, waren die Hitze (jeden Tag etwa 32 Grad) und Luftfeuchtigkeit (ungefähr 90 Prozent) überwältigend und ermattend. Vom Flughafen aus ging es gleich zu meiner Gastfamilie. In meinem neuen Zuhause angekommen, machte ich mich gleich mit allen bekannt – insgesamt waren wir sechs Praktikanten aus aller Welt, dazu die sri-lankische Gastmutter mit ihrer 11-jährigen Tochter.

Gleich am nächsten Tag ging es ins Krankenhaus, das eine 15-minütige Busfahrt entfernt war. Das Balapitiya Base Hospital (bedeutet soviel wie „Balapitiya Basiskrankenhaus“) ist ein staatliches Krankenhaus, welches man der Regelversorgung zuordnen könnte. Das Krankenhaus verfügt über 483 Betten und hat zehn verschiedene Fachrichtungen. Es arbeiten dort etwa achtzig Ärzte, zweihundert Pflegekräfte sowie rund dreißig Pflegeassistenten. Der erste Eindruck war traurig: Überall fehlte Putz an den Wänden, es gab nur alte Möbel und einige der sanitären Anlagen waren reparaturbedürftig. Das Meiste schien, als stamme es aus den sechziger Jahren: EKG-Geräte, Blutdruckmanschetten, Betten, Schränke, Sauerstoffflaschen. Dahingegen wirkte die Uniform der Krankenschwestern sehr gepflegt und stach aus dem Gesamtbild heraus, da Ärzte und anderes medizinisches Personal in Zivil gekleidet waren – die Uniform ist mit der der DRK-Schwesternschaft um 1950 vergleichbar.

Die erste Woche habe ich in der Notaufnahme verbracht. Anfangs fiel es schwer, mit dem medizinischen Personal ins Gespräch zu kommen. Doch ich musste mich nur ausführlich vorstellen und – verglichen für deutsche Verhältnisse – extrem freundlich sein und schon wurde ich vom medizinischen Personal mitgenommen und bekam alles erklärt. Innerhalb kurzer Zeit war ich mit dem Großteil der Mitarbeiter bekannt und durfte venöse Zugänge legen. Andere Tätigkeiten fielen nur selten an, da die Notaufnahme die Patienten meist nur aufnimmt und die Erstversorgung auf Station stattfindet. Also blieb genügend Zeit, um viel über die srilankische Krankenpflege zu erfahren. Die Ausbildung ist komplett auf Englisch, wird mit etwa dreißig Euro im Monat entlohnt, sie dauert ebenfalls drei Jahre und ist für das gesamten Land zentral reguliert. Das erste Jahr ist komplett theoretischer Unterricht, im zweiten Jahr lernen Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen getrennt: Männer lernen Andrologie, Urologie und Psychiatrie; Frauen lernen Gynäkologie, Geburtshilfe und Wochenbett. Das letzte Jahr lernen alle zusammen in der Praxis im Krankenhaus.

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Nach der Woche Notaufnahme war ich eine Woche lang auf der Allgemeinmedizinischen Station. Die meisten Krankheitsbilder hätte ich in Sri Lanka nicht erwartet, da ich sie mit der westlichen Kultur assoziiere: Diabetes Mellitus Typ 2 mit Sekundärerkrankungen, viele Herzinfarkte, Schlaganfälle wie auch COPD. Zudem gab es zahlreiche Patienten mit tropischen Infektionskrankheiten und viele nosokomiale Pneumonien. Da die Mittel begrenzt sind, gibt es keine Isolationsmöglichkeiten einzelner Patienten. Alle vierzig Patienten liegen in einer großen Halle, mit Moskitonetzen über den Betten. Grundpflege wird hier von Pflegeassistenten übernommen, Schwestern sind für die Behandlungspflege zuständig sowie für Blutentnahme. Die Krankenhausküche bietet Frühstück, Mittag und Abendbrot an. Doch lassen sich die meisten Patienten lieber Essen von Familienangehörigen bringen. Es gibt wenige Bettlaken im Krankenhaus; man kann sie sich aber von zu Hause mitbringen.

Die letzten zwei Wochen durfte ich auf die Intensivstation. Es war eine Wohltat, nun in klimatisierten Räumen zu arbeiten. Monitore, Perfusoren und Beatmungsgeräte waren modern. Hier konnte ich einen sehr guten Einblick in die pflegerischen Tätigkeiten gewinnen: Stündliche Dokumentation des Patientenzustands, Medikamentengabe, Pflege bei Beatmung, Blutentnahmen und ausnahmsweise waschen die Pflegenden die Patienten hier auch, selbst wenn sie selbst im 9. Monat schwanger sind. Der Personalschlüssel beträgt eins zu eins; täglich ist eine Schwester extra für die Sterilisation von Material eingeteilt. Im Frühdienst, der von 7 bis 13 Uhr dauert, sind für drei Patienten vier Schwestern, zwei Ärzte und meist eine Art Oberschwester anwesend, die jedoch administrative Tätigkeiten ausführt. Die meisten Patienten waren wegen kardiologischen sowie pulmologischen Komplikationen aufgenommen worden. Die Ärzte und Schwestern nahmen sich Zeit, mir die Behandlungsmaßnahmen zu erklären und so konnte ich viel lernen. Die Medikamente musste ich oft nachschlagen, da andere Generika eingesetzt werden.

Erschreckend war, dass auf Grund eines starken Gewitters kein Blutgasanalysegerät für mehr als zwei Wochen zur Verfügung stand. Es kommt nämlich in der Monsunsaison fast täglich zu Stromausfällen und zu damit verbundenen Schäden. Rückblickend war die Zeit auf der Intensivstation mit Abstand die lehrreichste und die in der Notaufnahme die herzlichste.
Insgesamt haben die Pflegenden einen etwas anderen Aufgabenbereich als in Deutschland, da Kinder- und Erwachsenenpflege zusammenfällt. Außerdem übernehmen Schwestern grundsätzlich Blutentnahmen beim Erwachsenen und Kind sowie Injektionen. Interessant fand ich auch, dass es gesetzlich festgelegt ist, dass alle fünf bis zehn Jahre eine Fortbildung mit Prüfung absolviert wird, die einer Krankenschwester die nächste Position in der Hierarchie ermöglicht. Mit spätestens zwanzig Jahren im Beruf wird man dann automatisch Abteilungsleitung, versorgt Patienten zu Hause als ambulante Schwester oder kann sich zur Pflegepädagogin weiterbilden lassen.

Alles in Allem konnte ich sehr viel über die Pflegetätigkeit in Sri Lanka lernen. Auch war interessant, dass Krankenpflege ein sehr angesehener Beruf ist und die Bevölkerung eine Krankenschwester in der Nachbarschaft überaus schätzt. In meiner Freizeit konnte ich schöne Eindrücke von Land und Leuten gewinnen. Ich wurde überall sehr herzlich und gastfreundschaftlich empfangen. Die verschiedenen Landschaften sowie Sehenswürdigkeiten waren beeindruckend und ich kann dieses Land zum Auslandspraktikum nur weiter empfehlen. Mir schien es, als ob ich durch den engen Kontakt zu den Einheimischen, einen sehr guten Einblick bekommen habe in das Alltags- und Berufsleben.

An der Stelle möchte ich mich nochmals bei der DRK-Schwesternschaft Berlin dafür bedanken, dass ich so kurzfristig noch mein Zielland ändern durfte.

Erfahrungsbericht von Isabel López Rivas