Auslandspraktikum Accra/Ghana - biz BildungszentrumAuslandspraktikum Accra/Ghana - biz Bildungszentrum

Auslandspraktikum
Accra/Ghana

„Welcome to Ghana, the safest, friendliest, most affordable, Eglish-speaking country in Africa.“ Mit diesen Worten wirbt die Botschaft von Ghana auf ihrer Internetseite. Nach meinen vier Wochen Aufenthalt in diesem Land kann ich dies nur bestätigen. Im Zuge meines Auslandseinsatzes wurde es mir ermöglicht, ein vierwöchiges Praktikum in einem Krankenhaus in der Hauptstadt von Ghana, Accra, zu absolvieren. Vermittelt wurde mir diese Stelle über die deutsche Organisation „Rainbow Garden Village“.

Alles begann am 1. Mai 2017, als mein Flieger um 11:30 Uhr vom Flughafen Tegel startete. Nach acht Stunden Flug und einem kurzen Zwischenstopp in Amsterdam, landete ich um 20:30 Uhr in der Hauptstadt. Schon beim Aussteigen kam mir eine gewaltige Hitzewelle entgegen: Kein Wunder bei 34 Grad und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Abgeholt wurde ich von Game, einem Mitarbeiter der Organisation, welcher mich zum „Student House“ brachte; der Unterkunft, in der ich während meines Praktikums wohnen würde. Insgesamt waren wir dort fünfzehn deutsche Volunteers und Praktikanten. Im Voraus hatte ich die Information bekommen, dass ich mein Praktikum im „La General Hospital“, einem staatlichen Krankenhaus, in der Innenstadt von Accra absolvieren würde – mitzubringen wären weiße Arbeitskleidung und weiße Schuhe. An meinem ersten Tag wurde ich von Game ins Krankenhaus gefahren. Er stellte mich der Praktikantenvermittlerin vor, die mir eine ID-Card aushändigte und erklärte, dass ich in drei verschiedenen Bereichen eingesetzt werden würde: Records, OPD/Emergency und auf der ambulanten Station der Hebammen.

Erste Woche
Meine erste Woche verbrachte ich in den Records, in Deutschland vergleichbar mit der Anmeldung. Alle Patienten, die ins Krankenhaus kommen, müssen erst dort registriert werden. Jeder neue Patient bekommt eine ID-Card des Krankenhauses. Diese werden mit Hand auf eine visitenkartengroße Karte geschrieben und auf Wunsch und einem kleinen Unkostenbeitrag laminiert. Das La General Hospital ist eins der wenigen Krankenhäuser, welches ein Computersystem zur Registrierung der Patienten besitzt. Allerdings hat schon an meinem zweiten Tag einer der zwei Computer nicht funktioniert und so wurde die Arbeit erst einmal für ein paar Stunden ausgesetzt. Das schien jedoch nicht unüblich zu sein und niemanden wirklich zu stören. Die Arbeitsmoral ist sehr entspannt und allgemein lässt sich niemand stressen. Wenn es nicht klappt, dann wird eben gewartet. In der Zeit kann man sich gut das letzte Fußballspiel von Barcelona gegen Real Madrid nachschauen oder das selbstgemachte Sobolo (Getränk auf Ingwerbasis) von zu Hause an die Mitarbeiter verkaufen.

Das Inventar war im Allgemeinen in seinem sehr schlechten und heruntergekommenen Zustand. Aufgeplatzte Polstermöbel, alte Gartenstühle und absplitternder Lack an den Schreibtischen gehören zum Standard. Auch auf Brandschutz wird nicht sehr viel Wert gelegt (unübersichtliche Kabel und ungeschützte Mehrfachsteckdosen).

Zweite Woche
Meine zweite Woche verbrachte ich in der Ersten Hilfe. Hier werden jedem Patienten die Vitalzeichen gemessen, um diese im System zu vermerken, bevor es mit den Untersuchungen weitergehen kann. Meine Aufgaben beinhalteten Blutdruck und Temperatur der Patienten zu messen. Interessant war die Benutzung des Quecksilber-Blutdruckmessgerätes, welche in Deutschland lange verboten sind. Über meine Aussage, dass Quecksilber sehr giftig sei, wurde ich nur verwundert angeschaut. Die Erste Hilfe besteht aus einem kleinen Raum mit sieben Betten, für Patienten die in Notfällen gebracht wurden. Generell gehen sehr wenige wirklich ins Krankenhaus. Es gibt zwar seit 2001 eine Krankenversicherung, diese können sich viele nicht leisten. Die maximale liege Dauer beträgt, nach angaben der Schwester, fünf Tage und zwei Mal am Tag kommen die Ärzte zur Visite. Was genau besprochen wurde, konnte ich leider nicht immer verstehen, da die Ärzte mit den Patienten oft auf Twi kommunizierten, der nach Englisch meist gesprochenen Sprache in der Greater Accra Region.


Dritte und vierte Woche
In meinen letzten zwei Wochen wurde ich auf der ambulanten Station der Hebammen eingesetzt. Diese haben einen kleinen Patientenstamm, um den sie sich kümmern und welche alle zwei Wochen zu einem Check-Up vorbeikommen, um den Status der Schwangerschaft zu überprüfen. Hauptaufgabe war hier das Messen des Bauchumfanges und die Überprüfung des Herzschlages des Babys. Die Station bestand aus acht Behandlungszimmern, mit jeweils einem Schreibtisch (an dem die Hebamme arbeitete), einem Stuhl und einer Liege (für die Patientin). Einer der Räume fasste ca. zehn Quadratmeter – was an sich für die Behandlung ausreichend wäre, wären in dem Raum nicht eine Hebamme, drei Krankenpflegeschülerinnen, die Patientin und ich gleichzeitig anwesend.


Abschließend kann man sagen, dass die Krankenhäuser in Accra sehr weit von deutschen Standards entfernt sind. Ich bin sehr dankbar über die Zeit, die ich im La General Hospital arbeiten durfte und die vielen Eindrücke und Erfahrungen, die ich dadurch sammeln konnte.

Ein Erfahrungsbericht von Julia Möschle