Gesunde Pflege, pflegt gesund - biz BildungszentrumGesunde Pflege, pflegt gesund - biz Bildungszentrum

Gesunde Pflege, pflegt gesund

Die dritte biz Pflegekonferenz

„Wir können nur gesund pflegen, wenn wir anfangen, gemeinsam aufeinander zu achten und nicht nur darauf warten, dass die Anderen es für uns machen.“ Dieses Zitat von Sofie Müller, zentrale Praxisanleiterin an den DRK Kliniken Berlin | Westend, beschreibt treffend das Gefühl dieser dritten „biz-Pflegekonferenz“ am biz Bildungszentrum der DRK Schwesternschaft Berlin e.V.

Seit 2016 kommen die Auszubildenden einmal im Jahr zusammen und organisieren einen Tag ganz im Sinne konstruktiver Zusammenarbeit für eine starke Zukunft der Pflege. Jetzt, 2018, stand die Konferenz unter dem Motto: „Gesunde Pflege, pflegt gesund“. Und dieses Motto spiegelt sich nicht nur in der sehr leckeren und selbst gekochten Verpflegung des Workshops „Zur Wilden Tomate“ mit Kürbissuppe, Vollkornnudeln mit Soße, Smoothies und Salaten wieder, sondern auch in Workshops wie „Die fünf nach 12 Gesundheitscheckliste oder Wie geht es der Pflege eigentlich?“, „Sport“, „DRK Schwestern im Ausland – im Ebola Einsatz“, „Berliner Pflegestammtisch- Kreativer Protest“ und „Die Ideenwerkstatt“. Aber auch im dritten Jahr dürfen Klassiker wie „Sexy Krankenschwester – Nein danke!“, „Rassismus raus aus der Pflege“, „Was zur Hölle ist OTA?“ und „Praxisanleitung – rares Gut?“ nicht auf dem Timetable fehlen.

Experiment Podiumsdialog
Dialog anstelle von Diskussion. In Diskussionen geht es eigentlich. um die Macht und Stärke von einzelnen Standpunkten. Bei einem Dialog ist das Anliegen ganz klar ein gemeinsames Verständnis der verschiedenen Standpunkte und Meinungen: Es gibt weder Verlierer noch Gewinner, sondern am Ende entsteht Konsens und dies trotz divergenter Einstellungen zu bestimmten Themen. Konkret bedeutet das unter dem Motto „Gesunde Pflege, pflegt gesund“, dass wir in einem kooperativen Miteinander auf Augenhöhe nach neuen Lösungen und Wegen streben, anstatt in einer Diskussion einzelne Standpunkte herauszuarbeiten, die nur von einem kleinen Teil getragen werden. Neu an diesem Podiumsformat ist die aktive Einbeziehung des Publikums von Anfang an und nicht erst zur Fragerunde am Ende. Und so ließen sich unsere Oberin Doreen Fuhr, die Zentrale Praxisanleiterin der DRK Kliniken Berlin | Köpenick Birgit Altnow und der Pflegeaktivist und Gesundheits- und Krankenpfleger Valentin Herfurth unter Moderation der Auszubildenden Daria Neumann und Anna-Bella Hillebrecht, die ebenfalls Fragen und Anregungen einbrachten, mit Erfolg auf die Beiträge von etwa zwanzig Teilnehmern der gut 180 anwesenden Auszubildenden und Gästen ein. Ein neues Konzept für eine neue Pflegekultur, dessen Name widerspiegelt, dass die Beteiligung aller Dialogteilnehmer erwünscht und notwendig ist, um Veränderung zu schaffen. „Wir dürfen uns alle eingeladen fühlen die Möglichkeit zu nutzen, um in den Dialog mit unseren Podiumsgästen zu gehen“, regte Alexander Warnke, Mitgründer der Kreativwerkstatt der DRK Kliniken Berlin, an und führte fort: „Anstatt Konfrontation, den Austausch suchen und sich trauen Dinge anzusprechen. Dies kann einen Wandel bewirken!“

Der Fortschritt steckt an
Das moderne und gleichzeitig überraschend einleuchtende Konzept der biz-Pflegekonferenz, gemeinsam Bewegung in die Pflege zu bringen und gleichberechtigt neue Wege aufzuzeigen und zu gehen, verbreitet sich mittlerweile deutschlandweit, zum Beispiel in Tübingen. Deswegen waren wir sehr stolz und fühlten uns geehrt, in diesem Jahr eine Delegation von zwei Auszubildenden, einer Praxisanleiterin und einer Abteilungsleitung vom Universitätsklinikum Tübingen zu den Vorbereitungen und zu der Konferenz als Gäste willkommen zu heißen und an der Auswertung im Anschluss teilhaben zu lassen. Nicht nur die Kolleginnen aus Tübingen waren begeistert, sondern auch die Auszubildenden unseres biz Bildungszentrums: „Warum können wir hier im biz nicht eine ganze Konferenzwoche gestalten? Dann hätte ich wenigstens die Möglichkeit bei allen Workshops mitzumachen“, erzählte uns eine Auszubildende freudig. Auch wenn frisch „dazu gestoßene“ Auszubildende des ersten Semester erstmal skeptisch drein schauen und teilweise noch nicht verstehen, was besonders ist an dieser biz-Pflegekonferenz von Auszubildenden für Auszubildende, so hat doch jede und jeder von ihnen ein Pflegepraktikum absolviert und so ist bei Jeder und Jedem ein Grundgefühl für die Notwendigkeit von Veränderung der Pflegekultur auf den Stationsfluren vorhanden. Der neue Wind, aktiv die Zukunft der Pflege zu verändern, steckt an und der eine Tag im Jahr erscheint zu kurz für seine großen Ziele. In den Workshops entstanden unter anderem Liedtexte, Gedichte, Plakate, Banner und vor allem: Inspiration zum Weitermachen – denn wir lieben unseren Beruf und wir möchten auch, dass das so bleibt!

Kreativer Spielplatz
Während die Welt kühler und dunkler wird, die Natur sich verändert und wir enger zusammen rücken, startete im Oktober ein neuer Kurs am biz. Das Umfeld der Konferenz lud dazu ein, frei zu denken und sich wohl zu fühlen, ob mit herbstlicher Dekoration, viel Liebe zum Detail bei der Halloweendeko, leckerem Essen oder spielerisch und stolzem Vorzeigen alter und vergessener Instrumente aus der Pflege, die wir aus den Tiefen unseres Demoraums herausgeholt haben. Die Auszubildenden wurden dazu ermuntert, kreativ zu werden, Tabus zu thematisieren und Stolz gegenüber unserer Geschichte und Profession zu erwecken. Seit dem Frühsommer wurde die Konferenz liebevoll von einem zehnköpfigen Organisationsteam und in Zusammenarbeit mit der Kreativwerkstatt vorbereitet.

Die berlinweite Vernetzung der Auszubildenden führte auch in diesem Jahr dazu, dass wir Gäste aus anderen Pflegeschulen einluden, um sich einzubringen und um die Idee und Umsetzung der Konferenz auch an anderen Pflegeschulen zu verbreiten. Zum Beispiel wurde die Konferenz in diesem Jahr mit musikalischen Beiträgen zweier Mitglieder des Berliner Pflegestammtisches versüßt. Lieder wie „Viva la Pflegeloción“, „Du kannst mich mal am Arsch pflegen“ und „Pflegephilosophie“ gaben Kraft, Motivation und ließen den Tag mit viel Witz beginnen. Außerdem befindet sich die Wanderausstellung der „Walk of Care“–Banner zur Zeit an unserem biz Bildungszentrum. So konnten wir stolz zeigen, dass sich Auszubildende unserer Schule aktiv in die Organisation der jährlichen Demonstration am 12. Mai einbringen und außerdem lädt die Ausstellung dazu ein, sich über die Bewegung zu informieren. Genauso rief das Filmprojekt „Pflege im Jahr 2030 – Fiktion oder Realität“ die Zuschauer dazu auf JETZT tätig zu werden und die Zukunft gemeinsam zu gestalten, anstatt nur rumzusitzen, zu warten und auf Veränderung zu hoffen. Um diese Gefühle und viele weitere Geschichten aus der Pflege festzuhalten hatte der Auszubildende Jannis die schöne Idee „die Memoiren der Pflege“, ein großes Skizzenbuch, auszulegen und alle Anwesenden einzuladen gestalterisch tätig zu werden, ob mit Farben, Bildern, Wörtern oder Geschichten.

Veränderungsprozesse brauchen Kontinuität, die Bereitschaft sich auf neue Situationen einzulassen und Raum um reflektiert, weitergestaltet und wenn nötig: angepasst zu werden. Aus diesem Grund haben wir dieses Jahr eine Ideenwerkstatt eingerichtet, in der alle Teilnehmer sich Gedanken zur biz-Pflegekonferenz machen konnten. „Was ist die biz-Pflegekonferenz für Euch? Was vermisst ihr, wo wollen wir uns in Zukunft hin entwickeln?“ waren unter anderem Fragen in einem „Open Space“, in dem sich Gedanken und Kreativität frei entfalten konnten. Wer moderieren wollte, konnte dies tun. Wer einfach ein wenig Feedback geben wollte, konnte eine Karte an den Baum der konstruktiven Kritik hängen. Teilnehmer waren dabei nicht an feste Vorgaben gebunden. Jeder so, wie er gerade konnte. Lob, Anregungen und Kritik kombiniert mit konkreten Ideen zur Weiterentwicklung waren das Ergebnis, welches definitiv dabei helfen wird, die biz-Pflegekonferenz in Zukunft noch besser als Instrument für die Auszubildenden sicht- und nutzbar zu machen.

Visionen
Der Gedanke ein Medium zu erschaffen, bei dem gemeinsam Lösungen gesucht werden, um eine bessere Zukunft für uns und für die nächsten Generationen zu gestalten, trieb uns, die Auszubildenden Daria Neumann und Anna-Bella Hillebrecht, an die Organisation der Konferenz und der beiden Folgeveranstaltungen zu übernehmen sowie gleichermaßen weiterzuentwickeln und mit unserer Persönlichkeit und unseren Wünschen für eine gesunde Pfleg zu prägen. Rückblickend kann gesagt werden: diese Konferenz ist ein toller Schritt in die Zukunft und wir hoffen, dass viele weitere Konferenzen folgen werden – nur zusammen können wir Veränderung schaffen…

Hier anschauen und nachlesen: Fotos und ein Bericht über die biz-Pflegekonferenz.

Anna-Bella Hillebrecht
Orga-Team „biz-Pflegekonferenz“